Gegenwart

Reformation – was hat das mit mir zu tun?


Hast Du schon mal darüber nachgedacht, was die Reformation mit Dir zu tun hat? Ist Dir bewusst, dass wir der Reformation noch heute vieles zu verdanken haben, was wir als selbstverständlich ansehen?

Nimm Dir ein paar Augenblicke Zeit, um mehr über die Bedeutung der Reformation für Dein Leben zu erfahren – es ist eine erstaunliche Entdeckung!

Ablass ohne Unterlass?

„Heilige Pforte“ im Petersdom
(© Dnalor 01, Wikimedia)

Luthers 95 Protestthesen gegen den Ablasshandel der Kirche sind lange her. Heute in unserer aufgeklärten Zeit gibt es so etwas doch nicht mehr, oder? Doch! Der Ablass (ein zeitlicher Nachlass von Sündenstrafen im Jenseits) ist noch immer Teil der katholischen Kirchenlehre und wird regelmäßig unter bestimmten Bedingungen „offeriert“– inzwischen auch über TV, Radio oder wie 2013 zum Weltjugendtag sogar per Twitter. 2016 wurde ein „Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ mit Sonderablässen ausgerufen – z. B. nach Durchschreiten der „heiligen Pforte“ des Petersdoms. „Ablass ohne Unterlass“ also, auch 500 Jahre später? Protestiert eigentlich noch jemand dagegen? Luther erkannte, dass Sündenvergebung nur direkt von Gott zu erbitten ist und dass Gott gerne und vollständig vergibt – ohne nachträgliches Abbüßen in einem Fegefeuer, wie die Kirche es lehrt. Dieser befreiende Glaube ist das Ergebnis der Reformation.

Bibel oder Tradition?

Das wohl größte Vermächtnis der Reformation war Luthers Bibelübersetzung in die Sprache des Volkes. Sie prägte das heutige Hochdeutsch und legte die Grundlage für unser modernes Bildungswesen. Vor allem aber konnte nun jeder selbst herausfinden, was Gottes Wort sagte und was bloß Tradition, Irrlehre oder Aberglaube war. „Sola scriptura“ (allein die Schrift) wurde zum tragenden Pfeiler der Reformation. Deshalb kann heute jeder die Bibel frei lesen.

Bildung und Fortschritt

Der berühmte Wissenschaftler Isaac Newton war Christ
(© Bonhams, Wikimedia)

Die Reformation brachte die Bildung ins Volk und weckte den Wissensdurst. Schon bald nahmen wissenschaftliche Entdeckungen rasant zu: Dampfmaschine, Mikroskop, Taschenuhr, Fallschirm, Fernrohr und Telegraf wurden erfunden – um nur einige zu nennen. „Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Unverständigen.“ (Psalm 119,130) Herausragende Wissenschaftler wie Kopernikus, Kepler, Galilei, Newton und selbst Einstein waren überzeugte Christen. Heute macht die Wissenschaft eine Kehrtwende und erklärt die Bibel für unglaubwürdig. Ein Schritt zurück ins dunkle Mittelalter? Sind unbeweisbare Theorien wie die kosmische Evolution nicht eher ein künstlich erdachtes Glaubensgebäude als Wissenschaft?

Trennung von Kirche und Staat

Im Mittelalter waren Kirche und Staat „verheiratet“. Was die Kirche sagte, war Gesetz. Wer anderer Meinung war, wurde als Ketzer vom Staat grausam zum Schweigen gebracht. Wenn Religion über staatliche Gewalt verfügt, ist der Ausverkauf von Glaubens- und Gewissensfreiheit nur eine Frage der Zeit. Die Konsequenzen zeigen sich nicht nur im radikalen Islam: die unerbittliche Verfolgung Andersdenkender. Genau das passierte im mittelalterlichen Papsttum. Erst die Reformation legte die Grundlage für unsere persönlichen Freiheiten. Ist diese Freiheit wieder in Gefahr? Immer mehr Vereinnahmung der Presse, Aushöhlung von Bürgerrechten und Überwachung der Bevölkerung lassen nichts Gutes ahnen. Der Geist der Reformation dagegen stärkt die individuelle Gewissens- und Meinungsfreiheit. Es lohnt sich, dafür einzutreten!

Glaube oder Werke?

Das Universum wurde von Gott erschaffen

Für den Glauben hat unsere leistungsorientierte Gesellschaft nicht mehr viel übrig. Wir fliegen zum Mond, spalten Atome und spielen Schöpfer in der Gentechnik. Doch die drohende Zerstörung unseres Planeten und unser selbst haben wir noch nicht in den Griff bekommen – und unsterblich sind wir auch nicht. Die Gier nach Macht und Geld hat viele Länder in die Krise gestürzt. Vielleicht liegt die Lösung gar nicht in unserem eigenen Tun, sondern in der Anerkennung unserer Abhängigkeit von einem liebenden Schöpfergott? Im Glauben dürfen wir die Erlösung durch Christus als Geschenk annehmen – nicht durch eigenes Abstrampeln vor einem harten Gott. Diese befreiende Entdeckung verdanken wir Reformatoren wie Luther, Wyclif und Hus.

Heiliger Vater oder himmlischer Vater?

Es gibt einen Menschen in Rom, der sich „heiliger Vater“ nennt. Die Bibel kennt nur den gütigen „himmlischen Vater“ – und warnt vor Menschenverehrung und Machtanmaßung. Der Papst sieht sich als Stellvertreter Jesu. Dagegen hat Jesus den Heiligen Geist zu seinem Stellvertreter erklärt. Jeder Mensch ist gleich vor Gott und hat durch Christus direkten Zugang zum Vater im Himmel – ohne menschliche Priester und Beichtväter. Im persönlichen Gebet dürfen wir uns dem wahren „heiligen Vater“ nähern – und Ihn als unseren Freund und Gott haben. Welch eine wunderbare Erkenntnis durch die Reformation!

Reformation oder Ökumene?

Der Turm zu Babel nach einem Gemälde von 1563 (© Wikimedia)

Die Religionen streben unter der geistlichen Führung des Papstes trotz ihrer Lehrunterschiede nach ökumenischer Einheit. Doch Gottes prophetisches Wort warnt: Eine Einheit, die nicht auf dem Fundament der Wahrheit steht, wird nur Böses hervorbringen – wie damals beim Turmbau zu Babel. Nur ein Weg führt ins Himmelreich. Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Johannes 14,6) Die Reformation hat gezeigt, dass auf menschliche Traditionen und Rituale kein Verlass ist. Gottes Wort allein ist der zuverlässige Maßstab in allen Fragen. Diese Sicherheit inspirierte Luthers vollmächtiges Wirken und führte zur Trennung von einer in unbiblischen Lehren und Praktiken gefangenen Papstkirche.

Was feiern wir?

Der episkopale Bischof Tony Palmer sagte 2014: „Luthers Protest ist zu Ende. Gibt es ohne Protest noch eine protestantische Kirche? Vielleicht sind wir jetzt alle wieder katholisch.“ Eine erstaunliche Aussage! Was ist 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag eigentlich der Grund zum Feiern: die Entstehung des Protestantismus oder seine stille Rückkehr zur katholischen „Mutterkirche“? 500 Jahre Reformation – am Ziel oder am Ende?

„Die Reformation endete nicht mit Luther. Bis ans Ende der Weltgeschichte soll sie fortgesetzt werden.“ (Ellen G. White, Vom Schatten zum Licht, S. 139)

Halten wir die Prinzipien der Reformation fest – sonst ist die Freiheit wieder in Gefahr!

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500 Jahre Reformation – am Ziel oder am Ende?
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