* 1490 | † 1529

Louis de Berquin


Herkunft & Leben

Louis de Berquin war Mitglied einer Adelsfamilie und Hugenotte am Hof von Franz I. Dreimal wurde er der Ketzerei bezichtigt und gefangen genommen, bis er letztendlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Berquin kam an der Universität von Paris unter den Einfluss von Erasmus und Lefèvre. Er lernte auch Margarete von Navarra, die Schwester von Franz I. kennen. Sie half ihm, die Gunst des Königs zu gewinnen.

Berquin übersetzte viele von Erasmus’ Werken auf Französisch, ebenso einiges von Luther und Melanchthon. Er schrieb auch eigene Werke, die sich mit religiösen Reformen beschäftigten.

Er hielt sich teils in Paris auf, teils auf seinem Gut nahe Abbeville. Er besuchte die Menschen im Umkreis seines Anwesens und in Nachbardörfern; dabei nahm er immer seine Bibel mit und lehrte sie den neuen Glauben.

Als Béda, der für die Pariser Sorbonne-Universität arbeitete, über Berquin berichtet wurde, begann er, ihn zu verfolgen. Berquin wurde verhaftet und am 13. Mai 1523 als Häretiker bezichtigt. Seine Bibliothek wurde durchsucht. Viele seiner Werke wurden verbrannt. Berquin wurde gedrängt, seine falschen Lehren zurückzunehmen, aber er weigerte sich. Also wurde er zurück ins Gefängnis gesteckt und wartete auf seine Exekution. Doch Margarete und ihr Bruder (der König) setzten sich erfolgreich für Berquins Freilassung ein.

Berquin kehrte in sein Heim in Artois zurück. Er fuhr fort, die Lehre von der Erlösung allein durch Christus zu predigen. Das priesterliche Zölibat verwarf er als unbiblisch.

Reformationseinfluss

Von 1523 bis 1526 herrschten in Frankreich viele Schwierigkeiten. Frankreich hatte die Schlacht von Pavia verloren. Dies führte dazu, dass Franz I. in Madrid ins Gefängnis gesperrt wurde. Die Mutter des Königs, Louise von Savoy, glaubte, der Grund für die Gefangennahme ihres Sohnes läge in der Nachgiebigkeit gegenüber den Protestanten. Deshalb half sie der Sorbonne bei der Jagd auf die Häretiker. Sie erwirkte einen Erlass, dass alle Protestanten vor Gericht gestellt werden sollten. Berquin wurde Opfer dieses Erlasses. Im Januar 1526 wurde er zum zweiten Mal eingesperrt.

Margarete versuchte erfolglos, Berquins Freilassung zu erwirken. Louise hoffte, sich durch die Verbrennung der Reformatoren päpstliche Unterstützung zu erkaufen. Am Tag der Rückkehr von Franz I. gab er Befehl, Berquin zu entlassen. Diese neue Freiheit gab Berquin Mut. Er glaubte, Franz sei wahrhaftig auf der Seite der Protestanten.

In der Zwischenzeit hatte Franz Béda gefangen nehmen lassen, da dieser Erasmus’ Anmerkungen und Umschreibungen widerlegt hatte. Berquin erstellte zwölf Argumente gegen Beda und brachte sie dem König, der versprach, sie an die Sorbonne weiterzureichen, und es auch tat. Dies ermutigte Berquin noch mehr.

Allerdings war Franz in einer Zwickmühle. Er brauchte Geld, um das Bußgeld für seine Freilassung an Madrid zu zahlen. Also wandte er sich an die Bischöfe, welche ihm vorschlugen, Geld für die Ausrottung der Lutheraner zu zahlen.

Im Jahre 1529, noch während das französische Konzil von Sens tagte, wurde ein Verbrechen bekannt. Die Statue der Seligen Jungfrau mit Kind im Quartier St. Antoine war geschändet worden. Der Rat, der König und ganz Paris waren aufgebracht. Dadurch gewann die Sorbonne die Oberhand. Berquins Freunde baten ihn eindringlich zu fliehen, aber er hielt das für feige.

Berquin wurde ein drittes Mal eingesperrt. Die Sorbonne war entschlossen, ihn diesmal bezahlen zu lassen. Zwölf Richter wurden seinem Fall zugeteilt. Berquin erhoffte sich einen Ausweg dadurch, dass Margarete wieder einmal beim König für ihn bat. Jedoch wurde ein Brief, den er früher an einen Freund geschrieben hatte, gegen ihn verwendet. Er wurde beschuldigt, der Sekte der Lutheraner anzugehören und verwerfliche Bücher zu schreiben.

Berquins Strafe war lebenslängliche Haft. Berquin versuchte erneut, an den König zu appellieren, aber dieses Mal ignorierte Franz ihn. Die Richter änderten ihr Urteil in Erhängen und Verbrennen. Bis zu 20 000 Personen wurden am 17. April 1529 Zeuge seiner Hinrichtung. Théodore de Bèze schrieb später: „Wäre Franz ein Friedrich von Sachsen gewesen, hätte Berquin der Luther Frankreichs sein können.“

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