* 1483 | † 1546

Martin Luther


Herkunft & Leben

Der deutsche Reformator Martin Luther verfasste in seinem Leben 294 deutsche und 71 lateinische Schriftwerke und schrieb Tausende Briefe. Seine Schriften veränderten das Christentum in Deutschland für immer.

Anfang des 16. Jahrhunderts brauchte Europa eine Führungsperson, die dem Papsttum die Stirn bieten könnte. Am 10. November 1483 wurde Martin Luther in einer ärmlichen Familie geboren. Er ging in Mansfeld und Magdeburg zur Schule und besuchte später die Pfarrschule St. Georg in Eisenach. An der Erfurter Universität studierte er auf Wunsch seines Vaters und von ihm finanziert Jura. Luther erhielt das Bakkalaureat und wurde später Magister.

Gegen den väterlichen Willen trat Luther 1505 in ein Augustinerkloster von gutem Ruf ein. Im Gegenzug für die Erfüllung niedriger Aufgaben wurde ihm Zugang zu einer lateinischen Bibel gewährt. 1507 wurde er zum Priester geweiht, 1508 rief man ihn als Dozent an die Wittenberger Universität. Luther galt als gebildetster Theologe Wittenbergs. Einige behaupten, er kannte die ganze Bibel auswendig. Im Jahr 1511 besuchte Luther Rom, wo er „schreckliche Verdorbenheit, … weit verbreitete sinnliche Begierde, Habgier, Prunk und Eitelkeit, Ehrgeiz und Frevel“ sah (Frantz Funck-Brentano, Luther, S. 19). Ein Jahr später ernannte die Universität Wittenberg ihn zum Doktor der Theologie. 1515 wurde er zum Provinzialvikar von Meißen und Thüringen bestellt.

Reformationseinfluss

Um seine Kollegen zu einer Diskussion aufzufordern, nagelte Luther am 31. Oktober 1517 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg, in denen er die Autorität des Papstes in Frage stellte. Er erklärte, ein Mensch würde durch Glauben und nicht durch Werke gerettet. Nie hätte er gedacht, dass selbst der Papst diese Thesen eines Tages lesen würde.

Die Wittenberger Thesen wurden übersetzt und verbreitet. Luther wurde aufgefordert, nach Rom zu kommen, doch wurde ihm im Oktober 1518 eine Anhörung in Augsburg gewährt. Je heftiger die Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Papsttum wurde, desto mehr nahm Luthers Bekanntheit zu. Im Jahr 1520 wurden bereits über 100 verschiedene Ausgaben seiner Schriften von Haus zu Haus verbreitet. Die Anmeldezahlen für die Wittenberger Universität wuchsen von Jahr zu Jahr.

Luther ließ sich auf eine achttägige Diskussion mit Dr. Johannes Eck in Leipzig ein. Obwohl Eck die Diskussion „technisch“ gewann, geriet Luther dadurch umso mehr in den Blickpunkt der deutschen Unzufriedenheit. Die Debatte bestärkte Luther in seinen Glaubensansichten; Eck dagegen empfahl Rom die Exkommunikation Luthers.

Luther wurden sechs Monate Frist zum Widerruf gewährt. Die von der Kirche erlassene päpstliche Bulle wurde von Luther im Dezember 1520 öffentlich verbrannt. Im Januar 1521 erließ Papst Leo X. eine Bannbulle gegen Luther, seine Werke und Anhänger. Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches versprach Luther eine Anhörung, für die er vor dem Reichstag in Worms erscheinen sollte.

Am 16. April 1521 zog Luther mit 100 Reitern in Worms ein. Tausende Menschen scharten sich auf den Straßen. Als Luther zum Widerruf aufgefordert wurde, bat er um Bedenkzeit. Er sprach sehr unsicher. Gegen Ende des ersten Tages versicherte der Adelsstand Luther, dass sie „mit ihren eigenen Leibern eine lebende Mauer bilden würden, ehe ihm ein Haar seines Hauptes gekrümmt würde.“

Am nächsten Tag sprach Luther furchtlos. Er erklärte, die kirchlichen Konzile hätten geirrt. Seine Aussage schloss er mit den Worten: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir!“ Luther wurde zur Abreise aufgefordert. Einen Monat später trat die volle Exkommunikation gegen ihn in Kraft. Luther wurde auf die Wartburg entführt, wo er sich als Ritter ausgab. Auf der Wartburg übersetzte er das Neue Testament ins Deutsche. Dieses Buch sollte das Land vereinen. Heinrich Heine sagte über Luther: „Er schuf die deutsche Sprache, nämlich indem er die Bibel übersetzte.“

Es schien sich eine deutsche Nationalkirche zu bilden. Doch im Jahr 1524 brach der Bauernkrieg aus, der sich sowohl auf die Bauern als auch auf die Reformation negativ auswirkte. Manche hielten Luther verantwortlich für diesen Aufstand, doch auch die damaligen sozialen, finanziellen und politischen Zustände waren ein Auslöser. Luthers Schriftstück Wider die räuberischen und mordenden Rotten der Bauern verärgerte den Adelsstand ebenso wie die Bauern. Der Adel griff die Bauern an, die Zahl der Toten stieg auf 150 000.

Luthers Glaubwürdigkeit als christlicher Führer erlitt einen schweren Schlag. Das Vertrauen der Bauern in Luther war zerstört. Der Aufstand hatte den Fortschritt der Reformation in Deutschland wirksam aufgehalten. Luther wandte sich Aufgaben zu, die sein Werk in der Zukunft festigen würden: Er eröffnete Schulen und förderte die Bildung.

Luthers Schriften wandten sich weiterhin gegen die katholische Kirche sowie gegen alles, was der Reformation im Weg stand. Er schrieb zwei Katechismen und vollendete im Jahr 1534 die Übersetzung der deutschen Bibel.

Gegen Ende seines Lebens schien Luther den Tod bereits zu erwarten. Oft sprach er davon. Er starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben und wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg begraben.

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